TENS Transkutane elektrische Nervenstimulation

TENS Anwendung und Wirkung im Überblick

TENS Therapie: Schmerzen lindern ohne Medikamente

TENS beschreibt die Applikation elektrischer Impulse, die durch die Haut auf die Nerven einwirken. Die TENS-Therapie ist seit über 25 Jahren ein anerkanntes Schmerz-Therapie-Verfahren zur Linderung von akuten und chronischen Schmerzen.

Mit handlichen, batteriebetriebenen digitalen 2-Kanal-Geräten werden gezielt Nerven am Körper mit elektrischen Impulsen erreicht und gereizt. In vielen Fällen wird diese Stimulation die Schmerzwahrnehmung des Patienten deutlich reduzieren oder sogar ganz aufheben.

Die TENS-Methode ist eine sehr praktikable Form der nichtinvasiven Elektrotherapie bei Verwendung besonderer Reizstrom-, Elektroden- und Anwendungskriterien. Die therapeutische Elektrostimulation führt zur Auslösung nervaler Reaktionen und neuro-modulatorischer Regulationen, gehört somit zu den gezielten Reflex- und Stimulations-Therapien. Hauptziele der Therapie sind Schmerzunterdrückung, Durchblutungsoptimierung, Muskelrelaxation, sowie die reflektorische Einwirkung auf viszerale Organsysteme und Hormondrüsen bzw. reflextherapeutische Effekte.

Außerdem führt die TENS-Therapie zur Optimierung zentraler endogener Regel- und Impuls-Kontrollsysteme. TENS-Impulse blockieren die Weiterleitung zum Gehirn und regen die natürliche Freisetzung von körpereigenen Endorphinen an, die ebenfalls Schmerzen reduzieren können. Die TENS-Behandlung kann zur Harmonisierung (bzw. Eutonisierung) der psychovegetativen Tonuslage, zur Leistungssteigerung und somit zur Prophylaxe herangezogen werden.

TENS Box Elektroden

TENS (Transkutane Elektrische Muskelstimulation)​ mit Elektroden 

TENS-Wirkprinzipien

Gate Control-Theorie "kontinuierliche Impulsfolge"

Über die stimulierten Nerven wird an den dorsalen Hörnern des Rückenmarks die Transmission nozizeptiver Informationen gehemmt, wodurch der Schmerz nicht mehr wahrgenommen wird. Die kontinuierliche Impulsfolge oder konventionelle Stimulation arbeitet mit konstanten Frequenzen und Impulsen. Die feste Frequenz kann bis zu 150 Hz und die Impulsdauer bis 300 µs betragen. Die Intensität wird so eingestellt, dass die Stimulation starke, aber angenehme Paraesthesien (Kribbeln) im Schmerzbereich verursacht. Diese Behandlungsform ist bei den meisten Anwendungen zu Beginn angezeigt, insbesondere bei akuten Schmerzen.

Endorphin-Theorie "Burst"

Die Reizung der Hinterstrangfasern oder bestimmter subkortikaler Hirnstrukturen kann eine Hemmung über Serotonin und Noradrenalin bewirken, ferner kommt es zur Ausschüttung von Endorphinen.

Der Burst-Mode stimuliert mit 2 – 4 Impulsblöcken pro Sekunde bei einer Frequenz von 0,5 bis 5 Hz und einer Impulsdauer von 100 bis 300 µs. Die Intensität wird so eingestellt, dass die Stimulation sichtbare, aber schmerzlose Muskelkontraktionen verursacht. Diese Behandlungsform setzt zentral β-Endorphine frei.

TheorieGate-Control-Effekt (kontinuierliche Impulsfolge)Endorphin-Freisetzung (Burst)
Wirkungsweiseüber motorische Nervenüber sensible Nerven
Intensitätniedrig, leichtes Kribbelnhoch, gerade noch erträglich
Impulsdauer (Impulsweite)kurz (30 – 300 µs)lang (150 –300 µs)
Impulsfrequenz50 – 150 Hz0,5 – 5 Hz
Muskelkontraktionneinja
Einsetzen der Schmerzlinderungschnelllangsam (20 – 60 Min.)
Andauern der Schmerzlinderungkurz (5 – 15 Min.)lang (20 Min. – 12 Std.)
Behandlungsdauermit 3 x 20 – 30 Min. beginnen (später nach Bedarf steigern)30 Min. 2 – 3 x täglich

Frequenz- und Impuls-Modulation

Die modulierte Stimulation arbeitet mit regelmäßig schwankenden Frequenzen. Die Einstellungen entsprechen der konventionellen Stimulation (Standardwerte 100 Hz / 200 µs), wobei die Frequenz (Hz) oder die Impulsdauer (µs) zwischen 40 und 70 % kontinuierlich verändert werden. Diese Therapieform verhindert die Akkommodation bzw. wirkt Gewöhnungstendenzen von Nerven und Muskeln entgegen und ist besonders bei längerer Therapiedauer und chronischen Schmerzzuständen angezeigt.

Impulsparameter

Durch Variation von Trägerimpulsdauer, Impulsfrequenz und Impulsmodulation können unterschiedliche analgetische und motorische Wirkungen erzielt werden. innoTENS-Geräte enthalten eine ausreichende Variabilität von Impulsparametern zur Auslösung differenzierter Wirkungen bei verschiedenen Indikationen.

Übernimmt die Krankenkasse die Kosten für ein TENS Gerät?

Die gute Nachricht für Patienten ist, dass die TENS Therapie eine anerkannte Kassenleistung ist. Da das Verfahren als wirksame Alternative zur medikamentösen Schmerztherapie gilt, werden die Kosten für Leihgeräte oder die Anschaffung bei medizinischer Notwendigkeit häufig von den gesetzlichen und privaten Krankenkassen übernommen.

Voraussetzungen für die Kostenübernahme: Damit Ihre Versicherung die Kosten trägt, ist in der Regel eine Verordnung durch Ihren behandelnden Arzt erforderlich. Dieser stellt ein Rezept aus, wenn eine chronische Schmerzerkrankung vorliegt oder die Therapie zur Schmerzreduktion nach Operationen oder Verletzungen medizinisch sinnvoll ist.

Ablauf der Erstattung: Mit einem ärztlichen Rezept können Sie bei Ihrer Krankenkasse einen Antrag auf Kostenübernahme stellen. Oft arbeiten die Kassen mit Vertragspartnern zusammen, die Ihnen ein Leihgerät für einen Zeitraum von meist drei Monaten zur Verfügung stellen. Nach dieser Testphase wird gemeinsam mit dem Arzt entschieden, ob eine dauerhafte Nutzung notwendig ist.

Privater Kauf als Alternative: Viele Patienten entscheiden sich trotz der Erstattungsmöglichkeiten für einen privaten Kauf. Die Vorteile liegen hierbei in der sofortigen Verfügbarkeit ohne langwierige Antragswege sowie in der freien Auswahl modernster Kombinationsgeräte, die zusätzlich über Massage oder EMS Funktionen verfügen. Zudem gehören die Geräte nach dem Kauf Ihnen und müssen nicht nach Ablauf einer Leihfrist zurückgegeben werden.

Unsere TENS Geräte

Faustregeln zu TENS

Höhere Frequenzen

  • wirken durchblutungsfördernd und muskelstärkend
  • höhere Frequenzen (50 – 150 Hz) bedeuten niedrigere Intensität
  • wirken eher über den Gate Control Effect (Wall, Gunnick, Devor)
  • nicht durch Naloxon blockierbar

Niedrigere Frequenzen

  • wirken schmerzstillend, beruhigend, gefäßerweiternd, endorphinstimulierend
  • niedrige Frequenzen (1 – 5 Hz) erlauben hohe Intensität (Nadelakupunktur)
  • eher humorale Wirkung (Endorphine)
  • durch Naloxon teilweise blockierbar (Pommeranz, 1987)
  • Rezeptor, Leistungsschmerz, Störung der Schmerzverarbeitung zentral
  • stärkere Analgesie
  • längerer Überdauerungseffekt

Geschichtlicher Überblick

  • ca. 2500 v. Chr.: “Elektrische” Behandlung verschiedenster Schmerzzustände mit dem im Nil (Ägypten) vorkommenden elektrischen Zitterrochen
  • ca. 45 n. Chr.: Scribonius Largus berichtet in der klassischen Literatur über diese Elektrotherapie mit lebenden Zitterrochen (Torpedo marmorata).
  • 1646: Physiker Sir Thomas Brown prägt den Begriff “Elektrizität”.
  • 1850: W.G. Oliver (USA) wendet Elektrizität bei operativen Eingriffen zur Lokalanästhesie an.
  • 1965: Melzack und Wall publizieren die Gate Control-Theorie und schaffen damit die Voraussetzungen für das neurophysiologische Verständnis der Stimulationsanalgesie.
  • 1967: Wall und Sweet wenden TENS vom hochfrequenten Typ erstmals in ihrer heutigen Form zur Schmerztherapie an.
  • 1979: Sjölund und Eriksson entwickeln die akupunkturähnliche TENS “Endorphin-Theorie” (Burst).
  • seit 1980: Weltweite Verbreitung und Anwendung der TENS bei akuten und chronischen Schmerzzuständen
  • 1987: Anerkennung als kassenärztliche Leistung (Ziffer 30712).

Wie wird ein TENS-Gerät richtig angewendet?

Für die korrekte Anwendung müssen die selbstklebenden Elektroden ordnungsgemäß angebracht werden. Reinigen Sie vor dem Aufkleben der Elektroden die Haut sorgfältig von Schmutz, Fett, Make-up o. ä. Verbinden Sie die Elektrodenkabel ( + rot / – schwarz ) mit den Elektroden. Die Polarität (+ Anode / – Kathode) ist gewöhnlich ohne Bedeutung. Nehmen Sie die selbstklebenden Elektroden von der Schutzfolie und kleben Sie diese auf die Behandlungsstelle. Werfen Sie die Trägerfolie nicht weg!

Entfernen der Elektroden, Lagerung und Pflege

Durch Ziehen an einer Ecke der Elektroden entfernen Sie diese von der Haut. Bitte hierbei nicht an den Kabeln ziehen! Diese Vorgehensweise kann zu Beschädigungen der Elektroden sowie des Elektrodenkabels führen. Nach dem Entfernen der Elektroden kleben Sie diese bitte auf die Trägerfolie zurück. Sollte die Klebeeigenschaft sowie die Leitfähigkeit nachlassen, ist es sinnvoll, die Elektroden nach der Anwendung mit ein paar Tropfen Wasser zu benetzen.

Wie oft kann ich ein TENS anwenden?

Die empfohlene Dauer und Häufigkeit der Nutzung eines TENS-Geräts richtet sich nach Art und Stärke der Beschwerden. Für bestmögliche Ergebnisse ist eine regelmäßige Anwendung sinnvoll. Vor dem ersten Einsatz sollte jedoch ärztlicher oder therapeutischer Rat eingeholt werden, um eine individuell abgestimmte Anwendung und Dosierung sicherzustellen.

Für welche Schmerzen ist die TENS Therapie anzuwenden?

  • Rückenschmerzen im Bereich der HWS, BWS oder LWS
  • Bandscheibenvorfall / Ischialgie
  • Muskellockerung
  • Re-Mobilisation nach Verletzung
  • Postoperativer Muskelaufbau
  • Cranio Mandibuläre Dysfunktion (CMD)
  • Polyneuropathien
  • Karpaltunnelsyndrom
  • Tennis-Ellenbogen
  • Durchblutungsförderung
innoSTIM TE TENS EMS Gerät zur Schmerzreduktion

Für welche Bereiche des Körpers eignet sich die Anwendung eines TENS-Geräts?

Schulter
  • Delta-Muskel (M. deltoideus)
  • Untergrätenmuskel (M. infraspinatus)
  • Obergrätenmuskel (M. supraspinatus)
  • Rundmuskeln (M. teres minor)
Oberarm
  • Oberarmmuskel (M. brachialis)
  • Armbeuger / Bizeps (M. biceps brachii)
  • Armstrecker / Trizeps (M. triceps brachii)
Unterarm
  • Handbeuger (M. flexor carpi)
  • Handstrecker (M. extensor carpi)
  • Oberarm-Speichenmuskel (M. brachioradialis)
Hüfte
  • Großer Gesäßmuskel (M. gluteus maximus)
  • Äußere Hüftmuskeln (M. tensor fasciae latae)
Rücken / Rumpf
  • Rückenstrecker (M. erector spinae)
  • Großer und kleiner Brustmuskel (M. pectoralis)
  • Großer Rückenmuskel (M. latissimus dorsi)
  • Bauchmuskeln (M. abdomini)
Oberschenkel
  • Beinbeuger (M. biceps femoris)
  • Beinstrecker / Unterschenkelstrecker (M. quadriceps femoris)
Unterschenkel
  • Vorderer Schienbeinmuskel (M. tibialis anterior)
  • Hinterer Schienbeinmuskel (M. tibialis posterior)
  • Wadenmuskel (M. gastrocnemius)

Kontraindikationen (Gegenanzeigen): Wann sollte TENS nicht angewendet werden?

Obwohl die TENS-Therapie als sanfte und risikoarme Methode zur Schmerzlinderung gilt, gibt es bestimmte Situationen, in denen die Anwendung kontraindiziert ist oder vorab ärztlich abgeklärt werden muss. Die Sicherheit unserer Kunden steht für uns an erster Stelle.

In folgenden Fällen darf ein TENS-Gerät nicht benutzt werden:

  • Herzschrittmacher und Defibrillatoren: Die elektrischen Impulse könnten die Funktion elektronischer Implantate stören.
  • Metallimplantate: Im unmittelbaren Bereich der Elektrodenplatzierung (z. B. nach Gelenk-Operationen), da Metall Strom anders leitet.
  • Schwangerschaft: Vor allem im Bereich des Bauches, Beckens und des unteren Rückens.
  • Epilepsie: Um eine Reizung des Nervensystems zu vermeiden, darf die Anwendung insbesondere nicht am Kopf oder Hals erfolgen.
  • Herzrhythmusstörungen: Besonders bei einer Elektrodenplatzierung im Brustbereich.

 

Relative Gegenanzeigen und Warnhinweise – Bitte halten Sie in diesen Fällen vor der ersten Anwendung Rücksprache mit Ihrem behandelnden Arzt oder Therapeuten:

  • Hautprobleme: Platzieren Sie Elektroden niemals auf offenen Wunden, Entzündungen oder frisch verheilten Narben.
  • Sensibilitätsstörungen: Wenn Sie Schmerzen oder Berührungen in einem Bereich nicht richtig spüren können, besteht die Gefahr einer zu hohen Intensitätseinstellung.
  • Akute Infekte: Bei hohem Fieber oder schweren entzündlichen Prozessen im Körper sollte auf eine Stimulation verzichtet werden.

Wichtiger Hinweis:

Die TENS-Behandlung dient der Schmerzbehandlung, ersetzt jedoch nicht die Abklärung der eigentlichen Schmerzursache durch einen Facharzt.

 

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